Ein furchtbares Buch

Lesedauer 2 Minuten

Stanislaw Assejew hat ein furchtbares Buch geschrieben. Furchtbar, weil er so detailliert aufgeschrieben hat, was ihm in der „Isoljazija“, einem Geheimgefängnis im russisch besetzten Donzek widerfahren ist. Einem Ort, aus dem die Russen das „Dachau des Donbas“ gemacht haben: Brutale Folter, Erniedrigung und Entmenschlichung in einem russischen Foltergefängnis, mitten in der Stadt Donezk. Die Fenster mit weißer Farbe bestrichen, hören die Gefangenen das Leben auf nicht weit entfernten Straße, während sie auf unbestimmte Zeit ihren Peinigern ausgeliefert sind. Assejew ist Journalist, er hatte zwei Jahre lang aus der Donezker Volksrepublik unter dem Pseudonym Stas Wasin berichtet, seine Artikel waren berühmt. Dann wurde er verhaftet, verschleppt und landete schließlich in der „Isoljazija“. In seinem Buch „Heller Weg Donezk“, das nun als Taschenbuch im Suhrkamp-Verlag erschienen ist, hat er aufgeschrieben, was er in 969 Tagen Gefangenschaft erlebt hat. Durch einen Gefangenenaustausch kam er schließlich wieder frei. Sein Buch ist Zeugnis über das Terrorsystem des FSB in den sogenannten “Volksrepubliken” Donezk und Luhansk in der Ukraine.

Christine Hamel hat nun in der NZZ das Buch rezensiert und portraitiert seinen Autor.

«Heller Weg, Donezk» ist ein erschütterndes Protokoll des Ausgeliefertseins und der Demütigung. Es fügt der Lagerliteratur einen aktuellen Beitrag des 21. europäischen Jahrhunderts bei, der Bericht aus dem Foltergefängnis reisst erschreckend die Distanz zwischen damals, zwischen Nazi-Konzentrationslagern oder stalinistischem Gulag, und heute ein.

Hamel, Stanislaw Assejew durchlebte die Hölle eines russischen Foltergefängnisses in Donezk. Ein Treffen mit dem ukrainischen Journalisten, NZZ vom 23.1.2024

Das Buch ist wichtig, weil es ein furchtbares Zeugnis ablegt über das, was in den russisch „befreiten“ Gebieten geschieht. Man will sich nicht ausmalen, was in den neu besetzten Territorien in der Ukraine geschieht. Das müßten all diejenigen lesen, die öffentlich fordern, die Ukraine solle Gebiete aufgeben. Damit würde sie auch die Menschen aufgeben. Dass sie das nicht will – und warum, das ist nach der Lektüre dieses Buches umso mehr verständlich.


Stanislaw Assejew: Heller Weg, Donezk. Bericht aus einem Foltergefängnis. Suhrkamp, Berlin 2023. 255 S., Abb., Taschenbuch., 20,– €.

Last Updated on 18. February 2024 by Lupo



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