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“Innere Front gegen die eigenen Soldaten”

Lesedauer 2 Minuten

Schon Anna Politowskaya hat in ihrem Buch “In Putins Russland” 2006 die brutalen und entwürdigenden Zustände in Russlands Armee beschrieben. Machtmissbrauch, Erpressung, folgenlose Misshandlungen der Rekruten bis zum Tode bleiben ungesühnt und sind in der Truppe üblich und alltäglich. Daran hat sich knapp 20 Jahre später nichts geändert. Irina Rastorgueva schreibt in ihrem Artikel in der FAZ über die Zustände bei den russischen Invasionstruppen in der Ukraine. Die alltägliche Gewalt in der Armee ist eine Fortsetzung autoritärer Strukturen im Staat: Ein Regime, das nach außen Aggression entfesselt, reproduziert dieselbe Brutalität nach innen, gegen die eigenen Bürger in Uniform. Diese „innere Front“ gegen die eigenen Soldaten, so schreibt Rastorgueva, wie wenig der Staat an ihrem Schicksal interessiert ist und wie sehr sie zu austauschbarem Material degradiert werden.

Die rechtlose, brutale Gewalt strahlt aber auch über die Armee in die Zivilgesellschaft hinein. Sie erzeugt eine Spirale der Verrohung, in der individuelle Verantwortung verdrängt und durch gehorsame Teilnahme an einem verbrecherischen System ersetzt wird. Die Gewalt nach innen und außen verschmilzt zu einem Gesamtbild eines Staates, der seine Macht aus der Missachtung des Einzelnen schöpft. Die Folgen sind gravierend: Eine Gesellschaft, die ganze Generationen von Männern als Kanonenfutter behandelt, wird noch lange nach dem Krieg von Traumata, Zynismus und Misstrauen geprägt sein. Der Umgang mit den Soldaten in der russischen Armee erscheint damit als Spiegel der politischen Ordnung – und als Warnung, wie ein militarisiertes, autoritäres System seine eigene Zukunft untergräbt.

Vor diesem Hintergrund warnt die Autorin auch eindringlich vor der Forderung an die Ukraine nach Gebietsabtretungen:

Der Verfall aller staatlichen Institutionen, Korruption, der sinkende Lebensstandard sowie die steigende Kriminalität zerfressen Russland und breiten sich aus, so weit die Tentakel dieses Monsters reichen. Wenn daher jetzt die Ukraine zu „territorialen Zugeständnissen“ gedrängt wird, heißt das, dass auch die Bewohner dieser Gebiete dem Ungeheuer schutzlos ausliefert werden sollen.


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