“Wir versuchen, unsere eigene Identität aufzubauen, um dem Einfluss des russischen Reiches zu entkommen”

Serhij Zhadan ist einer der prominentesten Künstler der Ukraine. Er ist Sänger der Band ““Zhadan i Sobaky”” {Zhadan and the Dogs}, Poet und Romanautor, zahlreiche seiner Bücher sind im deutschen Suhrkamp-Verlag erschienen. Zhadan stammt aus der Ostukraine, genauer aus dem heute stark umkämpften Oblast Luhansk. Der Krieg in seiner Heimat ist auch sein literarisches Thema geworden. Mit seinem mehrfach ausgezeichneten Debüt “Die Erfindung des Jazz im Donbas” hat er sein erstes großes internationales Ausrufezeichen gesetzt. Gleichzeitig äußert sich Zhadan auch durchgehend zur politischen Lage seines Landes, er hat an allen großen Revolutionen in der Ukraine teilgenommen und wurde eine der prominentesten Stimmen des Euromaidan in Kharkiv.

Mit “Internat“, erschienen im Jahr 2015 hat er wiederum einen großen Roman über die Schrecken des in Europa lange weitestgehend unbeachteten Krieges in der Ukraine geschrieben. In “Mesopotamien” schreibt er über seine Heimatstadt Charkiw und zeichnet darin Portraits seiner Protagonisten auf deren Suche nach dem postsowjetischen Glück, das ganze Buch ist “ein poetisches Bild aus dem ukrainischen Zweistromland” (NZZ) Zuletzt erschien sein Gedichtband “Antenne“.

Zhadan lebt heute in Kharkiv und seit dem erneuten Überfall Russlands auf die Ukraine unterstützt er aktiv die Verteidiger seiner Stadt, sammelt und verteilt Spenden und schreibt online über die Lage in der zweitgrößten Stadt des Landes, die in den vergangenen Monate stark unter dem erbitterten Bombardement der Russen gelitten hat. Kharkiv war übrigens auch die größte russischsprachige Stadt des Landes. Serhij Zhadan wurde in diesem Jahr auch für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen.

In der heutigen Ausgabe des “The Kyiv Independent” ist ein englischsprachiges Feature erschienen. Zhadan spricht über die aktuelle Lage in Kharkiv, der coolsten Stadt der Ostukraine.

It was quite a cosmopolitan environment, democratic and open,” ( …) “And now it’s half empty.

Kharkiv sagt er, sei nie eine russische Stadt gewesen, auch wenn die Grenze 40km entfernt ist. Kharkiv sei ukrainisch. Viele Leute in seiner Stadt wechselten nun vom Russischen zum Ukrainischen, obwohl manche bisher ihr ganzes Leben russisch gesprochen hätten. Ukrainisch zu sprechen, bedeute zu zeigen, dass man ein Einheimischer sei und die Sprache der Besetzer verweigere . Der Prozess habe 2014 begonnen, für die Ukrainer seit jetzt klar geworden, entweder man kämpfe für seine Identität, oder man werde Teil des Postsowjetischen Imperiums. Für die Ukrainer gehe es daher in diesem Krieg um alles.

“If Russia wins, there will be no literature, no culture, nothing.”

Das ganze Feature gibt es online bei The Kyiv Independent

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