,

Ukrainische Literaturgeschichte erstmals auf Deutsch in einem Sammelband

Lesedauer 2 Minuten

Köln – Im Kölner Lew Kopelew Forum wurde am Donnerstag Abend der von Ulrich Schmid herausgegebene Sammelband „Ukrainische Literaturgeschichte“ vorgestellt. Der Band ist das erste deutschsprachige Werk, das eine systematische Gesamtschau über die ukrainische Literatur bietet. 
Im Gespräch mit Anita Winkelmeier stellte Mitautor Prof. Dr. Alexander Kratochvil das ambitionierte Projekt vor. Prof. Dr. Alexander Kratochvil lehrt als Dozent an der Universität München und als Professor an der Ukrainischen Freien Universität München. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf der zeitgenössischen Literatur der Ukraine und Tschechiens, zudem hat er sich durch zahlreiche Übersetzungen ukrainischer und tschechischer Werke ins Deutsche einen Namen gemacht.

Umrahmt wurde die Präsentation von Lesungen: Die Schauspieler Bernt Hahn und Maryna Bilova ließen Texte von Jurij Wynnytschuk und Sofia Andruchowytsch in deutscher und ukrainischer Sprache lebendig werden.

Der 376 Seiten starke Sammelband schließt eine empfindliche Lücke, da zuvor keine vergleichbare Überblicksdarstellung in deutscher Sprache vorlag. In 18 Kapiteln spannen international renommierte Fachwissenschaftler – darunter neben Kratochvil auch Alessandro Achilli, Maria Grazia Bartolini, Giovanna Brogi, Vera Faber und Alois Woldan – den chronologischen Bogen von den Ursprüngen in der „Literatur der Kyjiver Rus’“ bis hin zur hochaktuellen Gegenwart. Dabei finden auch der Euromaidan und der russische Angriffskrieg ihren Platz.

Das Buch ist bewusst nicht nur für Slawisten und Osteuropahistoriker konzipiert. „Der Gedanke ist, alle anzusprechen, die an der Ukraine interessiert sind“, erklärte Kratochvil. Dazu zählen Journalisten ebenso wie Lehrkräfte, die in ihren Klassen zunehmend mit ukrainischen Schülern in Kontakt kommen. Der Band versteht sich dabei als Balanceakt: Er verbindet akademischen Tiefgang mit einer populäreren Vermittlung, je näher die Darstellung der aktuellen Literaturszene rückt.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Sprachbewusstsein ukrainischer Autoren, die Sprache häufig selbstreflexiv nutzen, um „Erinnerungsräume der ukrainischen Kultur“ zu öffnen, so Kratochvil. Die Gegenwartsliteratur beeindrucke zudem durch ihre enorme thematische Bandbreite, die die gewaltigen historischen Umbrüche seit 1945 – von der Orangenrevolution bis zur Revolution der Würde – reflektiere. Auch traumatische Einschnitte wie die Katastrophe von Tschernobyl, die als zentrales kulturelles Zäsur für das Ende des Sowjetexperiments in der Ukraine verstanden wird, bilden wesentliche Pfeiler der literarischen Auseinandersetzung in der Gegenwart.

Ulrich Schmid (Hg.) Ukrainische Literaturgeschichte. Weimar, 2025, 376 Seiten, 34,99 EUR.

Die Veranstaltung kann auf dem Youtube-Kanal des Forums angeschaut werden.


Entdecke mehr!

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.



0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert