In der Ukraine will man kühlen Kopf behalten

Während westliche Länder ihre Bürger zur Ausreise auffordern und vor einem unmittelbar bevorstehenden erneuten russischen Einmarsch in das Land warnen, sieht man bisher in der Ukraine keine Panik. In Kyiv und dem Rest des Landes geht alles seinen Gang. Und auch der Flugbetrieb in und über der Ukraine läuft normal. Bislang hat lediglich die niederländische KLM ihre Flüge ausgesetzt.

Angesichts des Chaos in der Luftfahrt fragen manche Ukrainer auf Twitter, es scheine, dass ihr Land sanktioniert werde und nicht Russland.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich auf Twitter auch irritiert über die Warnungen aus den USA, wonach ein russischer Einmarsch wahrscheinlich am Mittwoch. Er habe keine Erkenntnisse darüber. Umgekehrt zeigen sich die westlichen Verbündeten verwundert, wie gelassen die ukrainische Regierung mit der Krise umgeht. Getreu dem Motto „Keep calm and support Ukraine“ erweckt die Staatsspitze den Eindruck, man beobachte alles und habe die Lage im Griff.

Newsletter von visitukraine.today

Auch zu den Problemen mit der kommerziellen Luftfahrt äußert sich dei Regierung entsprechend:

The Ukrainian government still insists that it sees no reason to close Ukrainian airspace to commercial traffic. Advisor to Ukraine’s president’s chief of staff Mykhailo Podolyak told Reuters on Sunday that closing Ukraine’s airspace was “nonsense” and akin to a “partial blockade.”

https://kyivindependent.com/national/ukrainska-pravda-mass-cancellation-of-ukraine-flights-from-feb-14/

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat in einem Beitrag von heute Kulturschaffende an Russlands Grenzen, darunter Estland, Norwegen, Lettland, Polen, Belarus, Finnland und der Ukraine nach ihren Eindrücken und Gefühlen gefragt. Für die Ukraine antwortet der Dichter und Musiker Serhij Zhadan aus der ostukrainischen Großstadt Charkiw.

Dieser ständige Druck und Versuche, Panik auszulösen, haben aber noch etwas gezeigt – dass die Ukrainer in Wirklichkeit keine Angst haben. Ja, alle begreifen die Gefahren, alle haben sich längst festgelegt. Und alle verstehen, dass man sich nur auf sich selbst verlassen kann. Freilich gibt es eine gewisse Besorgnis, viel wichtiger ist aber, dass man nun Selbstvertrauen hat. Etwas, was uns im Frühjahr von 2014 gefehlt hat. Also schläft man ruhig in Charkiw. Allerdings mit Waffen unter dem Kissen.

„In der Gefahrenzone“, FAS vom 13.2.22

Natalia Ron berichtet von einer ähnlichen Stimmungslage aus Mariupol, am Asowschen Meer, 15km von der Kontaktlinie entfernt, wo deutsche Politiker bereits Helme tragen.

She also fell into musing when asked if she considers Russia an enemy: “You see, if it all comes down to (Russian President Vladimir) Putin being the enemy, one person can’t be the one. The enemy is the country, the people. To say that they are enemies – we have lived with them all our lives together. Should we call them enemies now? Yes, they are pursuing their policy, let’s say, unfriendly and dishonest. But I would like to trade with them, and not to fight. Let’s leave it.”

Die deutsche Botschafterin in der Ukraine, Anka Feldhusen, hat auf ukrainisch über ihren Twitter-Account angekündigt, dass sie in Kyiv bleibt. Auch das ist ein wichtiges Zeichen in diesen Tagen.

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