Abgesoffen

Ein deutscher Admiral wünscht sich Putin als Partner, heißt die Krim verloren und will mit dem “christlichen Russland” gegen China kämpfen. Der Eklat ist perfekt.

Der deutsche Vize-Admiral und Chef der deutschen Bundesmarine, Kay Achim Schönbach, hat sich bei einem Auftritt in Indien mit merkwürdigen Äußerungen blamiert. Während sich die NATO und die EU gegen eine weitere Invasion Russlands in die Ukraine stemmen, deren offenes Ziel die Verschiebung der europäischen Sicherheitsarchitektur ist, wünscht sich der bekennende christliche Vize-Admiral “das christliche Russland als Partner gegen China”.

Der erklärtermaßen “sehr radikale römisch-katholische Christ” hätte gegen China, von dem er die „wahre Bedrohung“ auszugehen sieht, gerne ein “christliches Land wie Russland” an seiner Seite.Die Krim sei eben weg und wird “nicht wiederkommen”. Dass der amtierende Präsident des christlichen Russland ein ehemaliger KP-Kader und Atheist ist, stört ihn nicht weiter. Wie es mit dem christlichen Glauben vereinbar sein soll, wenn ein christliches Land ein anderes christliches Land überfällt, war auch nicht plausibel zu von ihm zu hören.

Dem guten Mann scheint offenbar die Seeluft nicht gut bekommen zu sein, denn weiter wird er zitiert, man müsse benennen, was China wirklich tue: Nämlich Geld an Kriminelle, Mörder und Diktatoren zu geben”. Das mag vielleicht sogar stimmen – aber weshalb ihm das bei Putin, der offenkundig das selbe tut, egal ist, erstaunt dann doch. Erinnert sei an die Auslandsreisen der Söldner-Gruppe „Wagner“ und das Engagement zugunsten erlauchter Herren wie Lukaschenko in Belarus und Assad in Syrien.

Die seltsame Russland- und Putin-Blindheit scheint leider in den Führungsetagen der Bundesrepublik ein immer grassierenderes Problem zu sein. Dass Putin Diktatoren wie Lukaschenko in Belarus oder Assat in Syrien aktiv unterstützt, scheint dem Marine-Offizier offenbar entgangen zu sein.

Vom Bendler-Block, dem die Äußerungen wohl sauer aufgestoßen sind, wurde der Admiral nun zurückgepfiffen und durfte seine Äußerungen klarstellen. Mittlerweile hat man entschieden: Schönbach muss gehen.

Neben Kritik erhält er übrigens in der Presse auch Zustimmung: Von Russia Today. RT-Deutschland schreibt: “Chef der deutschen Marine zeigt Mut zu eigener Meinung”. Wenn man irgendwo auf der Welt irgendetwas schätzt, dann sind es Militärs, die ihre eigene Meinung mutig kundtun. Die Rote Armee ist da sicher ein Paradebeispiel.

Man kann nur hoffen, dass diese Peinlichkeit personelle Konsequenzen hat. Zumindest sollte er die nächste Zeit das Deck schrubben. Oder direkt bei Putin anheuern.

Reuters zitiert mittlerweile den ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba mit deutlichen Worten:

“Ukraine is grateful to Germany for the support it has already provided since 2014, as well as for the diplomatic efforts to resolve the Russian-Ukrainian armed conflict. But Germany’s current statements are disappointing and run counter to that support and effort“.

Dmytro Kuleba

Die Wortmeldung aus Kyiv lässt nicht lange auf sich warten. Damit wäre dann auch ein diplomatischer Eklat perfekt.

Diesbezüglich bedarf es einer Klärung seitens der Bundesregierung, wie die Worte des Kommandanten der Marine mit der fortgesetzten Unterstützung Deutschlands der Krimplattform korrelieren.Besonders überrascht waren wir über die Gefühle von Herrn Shenbakh über die Notwendigkeit, den Dialog mit Russland wieder aufzunehmen, während die Zahl der Opfer der russischen Aggression bereits 14.000 überschritten hat und über hundert russische Armee mitgestickt wurden der ukrainische Staat die Grenze, am Donbas weiter töten Menschen aus russischen Kugeln, und die Krim hat sich in ein Ghetto der Menschenrechte und einen bis an die Zähne bewaffneten Flugzeugträger verwandelt, was eine Bedrohung für die gesamte Schwarzmeerregion darstellt. russische Geheimdienste zerstören auf dem Gebiet Deutschlands politische Gegner, führen Fehlinformationskampagnen durch und versuchen in innere Angelegenheiten einzugreifen. (…) Wir fordern von der deutschen Regierung, die Äußerungen des Inspekteurs der Marine Deutschlands, die die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine in Frage stellen und die Bemühungen um eine Deeskalation der Sicherheitslage in Europa unterlaufen, öffentlich zu widerrufen.

Sprecher des Außenministeriums der Ukraine, Oleg Nikolenko
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