Justizposse in Rostov am Don

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Es gibt keine russischen Truppen in der Ukraine und auch nicht im Donbas und in Luhansk. Gegenteilige Behauptungen sind gelogen und falsch, so das Mantra aus dem Kreml in Moskau. Dummerweise hat ein russisches Gericht in Rostov am Don genau dies in einem Korruptionsprozess vergessen und alles detailliert in einem Urteil niedergeschrieben, welches dann auch noch auf der Website des Gerichts veröffentlicht wurde.

Aus dem Urteil geht nicht nur die festgestellte und abgeurteilte Tat der Bestechung eines AmtstrĂ€gers hervor, sondern es finden sich da auch detaillierte Feststellungen zu Umfang und Ablauf der Versorgung der russischen Truppen in der sogenannten „DNR“ und „LNR“ – AbkĂŒrzungen fĂŒr die international nicht anerkannten Volksrepubliken Luhansk und Donbas, die ohne Hilfe aus Moskau kaum ĂŒberlebensfĂ€hig sind. Die abgeurteilte Bestechung bezog sich auf VersorgungsvertrĂ€ge und Lebensmittel-Lieferungen fĂŒr TruppenverbĂ€nde, die es nach offizieller Lesart dort gar nicht gibt.

Die Panne in der Provinz schlug sogleich hohe Wellen und nach Bekanntwerden des Urteils mußte auch prompt der Kreml-Sprecher als Feuerlöscher ausrĂŒcken. Was in dem Urteil stĂŒnde, sei offenbar ein Fehler des Gerichts, denn das könne ja gar nicht sein, weil es gĂ€be ja gar keine russischen Truppen im Donbas und in Luhansk.

Das Gericht rechtfertigte sich damit, dass man ungeprĂŒft die Angaben des Angeklagten ĂŒbernommen hĂ€tte – fĂŒr einen Strafprozess eine interessante Rechtfertigung. Ob der Verurteilte dann freigelassen und das Urteil aufgehoben wurde, ist nicht bekannt geworden. Das zunĂ€chst veröffentlichte Urteil ist ĂŒbrigens still und heimlich wieder gelöscht worden, dank Archive.org jedoch weiterhin im Internet zu lesen.

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