Neue Töne aus Kasachstan

Gleich zu Beginn des Jahres 2022 geriet die ehemalige Sowjet-Republik Kasachstan in die internationalen Schlagzeilen, als sich der Unmut über die wirtschaftliche und politische Lage Bann brach und es landesweit zu Aufständen und Unruhen kam. Dramatische Bilder gab es insbesondere aus der ehemaligen Hauptstadt Almaty, mehrere Regierungsgebäude gingen in Flammen auf und der Regierung blieb nichts anderes übrig als die Verbündeten aus der “Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit” (OVKS) um Hilfe zu rufen, wobei sich dabei die Blicke insbesondere nach Moskau richteten.

Moskau handelte umgehend und entsandte umgehend den größten Trupp Streitkräften, hinzu kamen noch Kräfte aus Belarus und Armenien. Die russischen Fallschirmjäger sicherten unter anderem den internationalen Flughafen von Almaty.

Die Lage war schnell wieder unter Kontrolle, wobei man auch mit brachialer Gewalt gegen Demonstranten vorging. Schießbefehl wurde erteilt. Damals wurde vermutet, dass Moskau versuchen werde, den Einfluss auf seinen Nachbarn auszuweiten, mit dem man eine tausende Kilometer lange Grenze teilt. Auch wurde befürchtet, dass es Probleme mit der großen russischen Minderheit im Norden des Landes geben könnte, die Russland zu einem Einschreiten nach dem Muster in Georgien oder im Donbas verleiten könnte. Das an Bodenschätzen reiche Kasachstan, das auch immer auf gute Wirtschaftsbeziehungen mit dem Westen bedacht war, werde nun enger an Russland gebunden, hieß es.

Dann wurde es ruhig und der russische Krieg gegen die Ukraine begann. Die sogenannten “Friedenstruppen” des OVKS sind mittlerweile wieder abgezogen, auch, weil China zu erkennen gegeben haben soll, dass man mit einer dauerhaften Präsenz russischer Truppen in Kasachstan nicht einverstanden sei.

Schon kurz nach Inkrafttreten der Sanktionen gegen Russland war aus Kasachstan plötzlich zu hören, dass man für Investoren, die sich aus Russland zurückzögen, ein offenes Ohr und eine offene Tür habe.

Auch politisch geht man zu Russland auf Distanz. Kasachstan werde die selbsternannten “Volksrepubliken“ Donbas und Luhansk nicht anerkennen. Und aus dem Außenministerium hieß es, wenn wieder einen eisernen Vorhang geben sollte, wolle man diesmal nicht dahinter stehen.

Mit den neuen Tönen aus Kasachstan bekommt die von Russland angeführte Eurasische Wirtschaftsunion, mit der Putin ein Gegenstück zur EU bilden wollte, deutliche Risse. Bricht nun auch Kasachstan weg, blieben als Unionsmitglieder nur noch Kirgisien, Armenien und Belarus. Nach einer Wirtschaftsmacht klingt das nicht.
Auch das eine von Putin sicher nicht gewollte Folge seines Ukraine-Krieges.

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