Kerzen für die Kriegstoten

Mit 1500 Grablichter haben in der Kölner Innenstadt mehr als Tausend Menschen an die Opfer erinnert, die bei dem russischen Überfall auf die Ukraine bislang getötet wurden. Zu der Veranstaltung “Butscha: Genozid an den Ukrainern. Nie wieder” hatte der Verein “Blau Gelbes Kreuz” aus Köln aufgerufen.

Die Kundgebung, zu der auch viele Flüchtlinge aus der Ukraine gekommen waren, stand auch unter dem Eindruck des russischen Raketenangriffs auf den Bahnhof von Kramatorsk im Osten der Ukraine, bei dem bislang mehr als fünfzig Zivilsten getötet wurden. Vom Kölner Heumarkt zogen die Teilnehmer schweigend mit Kerzen zum Roncalli-Platz, wo die Abschlusskundgebung stattfand.

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, sprach auf dem Roncalliplatz von einem “Krieg gegen die Menschlichkeit”.

‚‚Massengräber mit hunderten Toten, notdürftig verscharrt, die sie so groß sind, dass man sie aus dem All sieht. Kinder, die auf ihrer wochenlanger Flucht Dinge erleben mussten, die nie ein Mensch erleben sollte. Bomben, die gezielt auf Schulen, auf Kindergärten abgeworfen werden.‘‘

Hendrik Wüst, Ministerpräsident NRW

Wüst forderte mehr Engagement der Bundesregierung für die Ukraine, das bedeute auch, mehr Waffen zu liefern.

Ministerpräsident Wüst auf dem Roncalliplatz

Den Menschen, die aus der Ukraine geflohen seien, sagte er tatkräftige Hilfe des Landes und der Kommunen zu. “Wer vor Putins Aggression flieht, ist bei uns in Nordrhein-Westfalen herzlich willkommen.“

Die Generalkonsulin der Ukraine, Iryna Tybinka, schilderte in ihrer Ansprache die Kriegsverbrechen in den Vorstädten ihrer Heimatstadt Kyiv: Irpin, Butcha, Hostomel:

„Das waren junge Städte, wo sich die neue Elite und die Zukunft des Landes Häuser gekauft haben und ein Leben aufgebaut haben“.

Viele Teilnehmer zeigten Plakate mit Bildern aus den Vororten der ukrainischen Hauptstadt.

Sie forderte erneut einen Boykott russischer Energielieferungen und regte an, auf kommunaler Ebene auch die Städtepartnerschaften auf Eis zu legen. “Das Ziel muss die völlige Isolierung von Putins Russland sein. So kann auch auf kommunaler Ebene etwas getan werden.“

In einer emotionalen Rede wandte sich die Vertreterin der belarussischen Diaspora an Ministerpräsident Wüst und die Politik:

“Sorgen Sie dafür, dass diese Autocorso verboten werden“

„Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind”

Auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung blieben noch viele Menschen schweigend vor den vielen Kerzen auf dem Roncalliplatz.

Mahnwache auch in Mainz

Am frühen Samstag Abend haben auch in Mainz mehrere hundert Menschen an die Toten des Krieges gedacht und ein sofortiges Ende der russischen Invasion gefordert. Die russischen Kriegsverbrechen seien ein geplanter Genozid am ukrainischen Volk. Mit 169 leeren Stühlen mit Grablichtern erinnerten sie an die bis dahin offiziell bestätigten 169 Kinder, die seit Beginn der Invasion am 24. Februar getötet wurden. Aufgerufen zu der Veranstaltung hatte der Ukrainische Verein in Mainz, Unterstützung gab es unter anderem vom Staatstheater. Auch die Parteien von CDU, SPD, Bündnis90/Die Grünen und FDP hatten zur Kundgebung aufgerufen.

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