Europaweite Aktion für die Freilassung der Verteidiger von Mariupol

Im Rahmen der europaweiten Aktion „Azovstal – Free Mariupol Defenders“ wurde am Wochenende auf verschiedenen Kundgebung an die in russischer Gefangenschaft befindlichen Soldaten aus dem Azov-Stahlwerk Mariupol erinnert und deren Freilassung gefordert. Insgesamt knapp 2.500 ukrainische Soldaten befinden sich seit Ende Mai in russischer Gefangenschaft, nachdem sich die letzten Kämpfer in dem Stahlwerk in Mariupol ergeben hatten. Auf Russland müsse nunmehr größtmöglicher diplomatischer Druck ausgeübt werden, damit die Kriegsgefangenen freikämen.

Das Stahlwerk von Mariupol, Asovstal,, in dem auch zahllose Zivilisten Zuflucht gefunden hatten, war der bis zuletzt erbittert umkämpfte Ort in der strategisch wichtigen Stadt Mariupol am Asowschen Meer. Die Stadt ist mittlerweile weitestgehend zerstört und steht unter russischer Besatzung.

Eine bis zuletzt erhoffte Rettungsoperation von ukrainischer Seite war ausgeblieben. Kiew hofft nun auf einen Gefangenenaustausch. Die Gefangenen befinden sich nach offiziellen Angaben nun in besetzten Teil des Donbas. Ihnen droht nun ein “internationales Tribunal”. Aus Moskau war auch zu hören, dass ihnen die Todesstrafe drohen könne.

In Frankfurt versammelten sich am Samstag Abend an der Hauptwache knapp 1.000 Menschen, um an die Soldaten aus dem Azov-Stahlwerk zu erinnern. Sie forderten den Zugang des Internationalen Roten Kreuzes zu den Gefangenen und die Einhaltung der Genfer Konvention zum Umgang mit Kriegsgefangenen. Aufgerufen hatte der Verein “Respektive Ukraine”.

Scharf wurden die mittlerweile ergangenen Todesurteile gegen den 28-jährigen Aiden Aslin und den 48-jährige Shaun Pinnerm beides Briten, und den 21-jährige Marokkaner Ibrahim Saadun kritisiert und deren Freilassung verlangt. Die drei ausländischen Kämpfer wurden im Donbas gefangen genommen und von dem “Obersten Gericht” der von Russland kontrollierten sogenannten “Volksrepublik Donbas” zum Tode verurteilt. Russland sieht sie als Söldner an, denen der Status von Kriegsgefangenen nicht zukomme.

Das Azov-Regiment ist wegen seiner Bezüge zum Rechtsextremismus lange Zeit in der Kritik gewesen. Die Gruppierung gründete sich als Frewilligenbatallion nach der Krim-Annexion durch Russland und war maßgeblich an der Befreiung der Stadt Mariupol in 2014 beteiligt. Tatsächlich gab es anfänglich auch Beteiligung von Rechtsextremisten.  So gehörte zu den Gründern des Bataillons der bekannte Rechtsextremist Andrij Bilezkyj. Auch die unter Neonazis als Symbol verwendete Wolfsangel sorgte für Aufsehen. Der Extremist Bilezkyi schied jedoch schon wenige Monate später aus dem Regiment wieder aus.

In den vergangenen Jahren hatte sich die Gruppe jedoch zunehmend entideologisiert und wurde in die regulären Verteidigungskräfte der Ukraine eingegliedert und stand auch unter deren Aufsicht.

Das Asow-Regiment wurde letztlich Teil der Nationalgarde und dem Innenministerium unterstellt. Neben dem Asow-Regiment gibt es auch dessen politischen Arm, die Asow-Bewegung. Diese offen rechtsextreme Partei mit dem Namen “National Corps” kam bei den letzten Wahlen in 2019 auf gerade einmal 2 % und scheiterte damit an der fünf Prozenthürde.

Da das Azov-Regiment häufig von der russischen Propaganda angeführt, wonach in der Ukraine Neonazis herrschten, von denen die Bevölkerung befreit werden müsse, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Gruppierung.

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