Die Verhältnisse

Ganz unvermittelt bin ich bei der Lektüre über diese Passage gestolpert:

Es ist ja klar, daß dieser Bursche kein besonderer Bösewicht, sondern ein ganz gewöhnlicher Mensch ist – das sehen alle, – und daß er das, was er ist, nur darum wurde, weil er in Verhältnissen lebte, die solche Menschen erzeugen. Und darum ist es klar, daß man, damit solch Bursche nicht zum Verbrecher wird, sich vor allem bemühen muß, jene Verhältnisse zu beseitigen, unter welchen solche unglückliche Wesen entstehen.

Leo Tolstoi, Auferstehung, 1899

Es sind Gedanken, die sich der Geschworene Fürst Nechliudow während einer Gerichtsverhandlung in Lev Tolstois Roman „Auferstehung“ (russ. Воскресенье) macht. Tolstois Roman stammt aus dem Jahre 1899.

Heute wissen wir, dass nicht nur die Verhältnisse schuld sind, wenn Kriminalität entsteht. Doch ist der Gedanke der Prävention und der Forschung nach den Ursachen in Zeiten, in denen sich Kriminalpolitik im Wesentlichen dadurch auszeichnet, dass nach immer höherer Vergeltung geschrien wird, immer noch immens wichtig.

Strafrecht als das schärfste Schwert des Staates sollte immer nur die ultima ratio sein.

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