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Wenn man nach der Hauptstadt der Republik Moldau, Chisinau (sprich: Kischinau), googelt, womöglich noch zusammen mit Begriffen wie „Reise“ und“ Reisetipps„, bekommt man ganz grauenvolle Berichte vorgeschlagen, die sich im Wesentlichen alle darüber einig sind, dass man nach Chisinau nicht fahren sollte.

„Die Hauptstadt der Republik Moldau (oder wie weniger gut informierte Fußballfans noch immer gerne sagen: Moldawien) steckt mit einem Bein tief im Sowjetmorast und versucht gleichzeitig den dünnen Ast der Moderne zu ergreifen – doch springt es sich so schwer.“

Die Welt: Orte zum Abgewöhnen
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Moldau

Auf den Listen der vom Touristen am häufigsten frequentierten Hauptstädten landet die Hauptstadt der Republik Moldau ebenfalls ganz unten. Kaum jemand will hier hin. Also habe ich ein Ticket gebucht.

Nach Chisinau fliegt Lufthansa und die Air Moldova von München und Frankfurt, Austrian fliegt ab Wien nach Chisinau, LOT ab Warschau. Ich entschied mich für Austrian.

Straßenszene in Chisinau – Im Hintergrund das Hotel „Cosmos“

Die Republik Moldau existiert seit dem Zusammenbruch der UdSSR im Jahre 1991. Das Land grenzt im Westen an Rumänien, im Norden, Osten und Süden wird es vollständig von der Ukraine umschlossen.

Kirche der Geburt des Herrn

Chisinau hat etwa 530.000 Einwohner. Im zweiten Weltkrieg nahezu komplett zerstört, wurde es in der Chruschtschov-Ära wieder aufgebaut, daher dominiert im Stadtbild die typische brachiale Sowjet-Architektur, die leider mittlerweile ziemlich heruntergekommen wirkt und Tristesse verbreitet.

Innenansicht der Kirche

Eine der Sehenswürdigkeiten ist die zwischen 1830 und 1836 erbaute Kirche der Geburt des Herrn, die unweit des Triumphbogens in einem Park liegt, dem „Parcul Catedralei„, dem „Kathedralenpark“.

Die Kathedrale liegt in Laufweite zur zweiten Sehenswürdigkeit, dem „Triumphbogen“. Der Triumphbogen befindet sich im Parcul Catedralei am Bulevardul Ștefan cel Mare și Sfînt gegenüber dem Gebäude der Nationalversammlung.

Nachdem die Stadterkundung doch etwas früher als geplant beendet war, entschied ich mich, mit dem Zug ein Stück aufs Land zu fahren. Der Hauptbahnhof von Chisinau ist ebenfalls im typischen Sowjet-Stil gehalten, allerdings erstaunlich sauber und frisch renoviert.

Bahnhofshalle in Chisinau

Sonderlich viel los ist hier allerdings auch nicht. Es verkehren gerade einmal fünf Züge, die meisten fahren über Odessa, Kiew und weiter nach Moskau und St. Petersburg, ein Zug fährt nach Bukarest.

Bahnhof Chisinau: Es fährt ein – der Nachtzug nach Bukarest

Das Ticket war vergleichsweise günstig, allerdings bin ich dann doch nicht gefahren. Ich bin von früheren Interrail-Reisen einiges gewohnt und die Züge im alten Sowjet-Stil hatten auch etwas abenteuerliches an sich.

Schlafwagen nach Bukarest

Leider wurden sie aber wohl auch seit Inbetriebnahme nie wieder gelüftet und die Luft in den Abteilen war nahezu unerträglich. Da es draußen auch recht heiß war, was letztlich nicht mehr zum aushalten. Ich bin also wieder ausgestiegen.

Ein recht guter Reisebericht über die Zugfahrt findet sich übrigens hier:

Schlafwagen 1. Klasse

Fazit: Eine Perle ist Chisinau sicher nicht.

Fazit: Eine Perle ist Chisinau sicher nicht. Es ist eine typische sowjetische Kleinstadt. Die Republik Moldau gehört zu den ärmsten Ländern Europas, das spiegelt sich natürlich auch im Stadtbild wieder. Daher von einer Stadt „zum Abgewöhnen“ zu sprechen und sich über die angebliche „Hässlichkeit“, die immer im Auge des Betrachters liegt, zu echauffieren, ist sicher verfehlt. Wenn man dort ist, sollte man aber auf jeden Fall die Gelegenheit nutzen, ein Glas (oder eine Flasche) moldawischen Wein zu verkosten. Auf den Wein ist man dort reichlich Stolz – und das auch zu Recht.

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