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Seit dem Wahlsonntag, an dem sich der belarussischen Präsident Alexander Lukaschenka mit einem Ergebnis von 80 % in eine weitere Amtszeit fälschte, kommt es landesweit zu erwartbaren Protesten. Die sozialen Medien, z.B. auf Telegram , sind voll von Bildern und Videos von Protestaktionen aus allen Teilen des Landes. In Minsk sollen mittlerweile auch Teile der Armee in die Stadt verlegt worden sein. Zu sehen sind Sicherheitsbeamte, die auf Demonstranten einprügeln, rüde Festnahmen und Menschenmassen, die vor den Gefängnissen Informationen über das Schicksal ihrer Angehörige erfahren wollen. Die Rede ist von 6.000 Menschen, die festgenommen worden sein sollen. Zahllose Verletzte werden in Krankenhäusern behandelt, auch Tote hat es gegeben. Das Internet ist weitgehend lahmgelegt, der öffentliche Nahverkehr eingeschränkt. Das Regime reagiert brutal mit Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschossen.

Von dem Spitzentrio der Opposition haben Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo unter Druck das Land verlassen. Nur Marija Kolesnikowa ist noch übrig. Sie will bleiben, wenn man sie lässt.

Aber wie geht es weiter?

Landesweite Streikaufrufe sind wohl nicht flächendeckend umgesetzt worden. Eine wirkliche Dynamik der Proteste, welche das Regime ins Wanken bringen können, ist gegenwärtig nicht zu erkennen. Gleichwohl sind die Proteste im Vergleich zu 2010 viel massiver, wuchtiger und vor allem nicht zentral organisiert.

Die Rede ist von „Crowdsourcing“-Protesten.

Zwar ist den Medien zu vernehmen, dass die belarussische Zivilgesellschaft „ihre Muskeln spielen lässt “ (FAZ), aber wird das reichen? Ist die belorussische Zivilgesellschaft, die im Wahlkampf zweifelsohne ordentlich Selbstbewusstsein tanken konnte, wirklich schon so stark, dass sie Lukaschenka gefährlich werden kann?

Dekoder.org publiziert einen Bericht der Journalistengruppe Meduza , in dem einige Beobachter und belarussische Experten zu Wort kommen. Manche klingen ähnlich skeptisch.

Wenn die Unzufriedenen auf die Straße gehen, dann folgen sie vor allem Aufrufen von Bloggern über Telegram. Die meisten Autoren dieser Kanäle haben das Land verlassen, also ist es nur schwer vorstellbar, dass sich diese Opposition neu organisiert, weil es eben keine Organisation gegeben hat. Es gibt Menschen, aber keine Strukturen. Also kein Szenario wie in der Ukraine .

DER CROWDSOURCING-PROTEST

Derzeit bleibt nur zu hoffen, dass die Zivilgesellschaft einen langen Atem hat.

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In Frankfurt gibt es morgen am 13.08.2020 eine Solidaritätskundgebung ab 18:00 auf dem Frankfurter Römer.

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